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VorOrt Außer Kontrolle


„Sicherlich nicht…außer Kontrolle“

„Master of Farce“ nennt Autor Ray Cooney (geb.1932) sich selbst. Seine Komödien werden weltweit mit großem Erfolg gespielt. Das am meisten ausgezeichnete Stück „Außer Kontrolle“ hat nach dreißig Jahren endlich in Kiel Premiere am Freitag 21.01.2022 um 20.00 Uhr im Schauspielhaus. (Es gibt übrigens auch eine russische, chinesische Version und eine Übertragung in Hindi). Dies und andere unterhaltsame Hintergründe erfuhren die BesucherInnen des VorORT gut gelaunt moderiert von Ella Marie Schilling (Dramaturgie). Eine Farce ist nicht „ein lächerliches, inhaltsleeres Schauspiel“, wie bisweilen zu lesen ist. Denn „die besten Farcen sind grundsätzlich Tragödien“. Die Stückanlage muss auf eine krasse Tragödie übertragbar sein. Tragik ist das Wesen der Farce, und sogar die Dialoge einer Farce sollten mit denen einer Tragödie austauschbar sein. Die meisten Tragödien basieren auf dem Kampf des Individuums gegen überwältigende Mächte und seinen Anstrengungen, sich einer auftürmenden, gegen ihn rollenden Flut zu erwehren. Zusätzlich wird das Individuum noch gequält von seinen eigenen Charakterschwächen und der Unfähigkeit, sie bei äußerem Druck unter Kontrolle zu halten. Und „diese Beschreibung passt auf die meisten meiner Farcen!“, so Ray Conney selbst.
Schauspieler Zacharias Preen schilderte anschaulich, wie seine Rolle als Kellner im Verlauf des Stückes auch an gesellschaftlicher Stellung gewinnt und wie andere sozial höherstehende Figuren dagegen an Ansehen verlieren. Dadurch entsteht für die Zuschauenden, die oft mehr wissen als auf der Bühne geschieht, Vergnügen. Auch im Alltag können wir uns bisweilen (zugegeben) Lügen nicht verkneifen; wenn aber, wie in einem kurzen Stückausschnitt mit Marius Borghoff als Ehemann auf Abwegen und Ellen Dorn als Ehefrau - auch auf Abwegen (!) - im Sekundentakt alle Arten von Lügen vorgetragen werden, entsteht Heiterkeit.
Gespielt werden müssen die Figuren mit großem inneren Ernst, erläutert Regisseur und Altmeister Siegfried Bühr in seiner 10. Kieler Inszenierung (u.a. „Der nackte Wahnsinn“, „Brassed Off“, „Drei Mal Leben“). Der politische Aspekt der Handlung und so auch die politische Lüge spielt dabei natürlich auch eine wichtige Rolle. Der derzeitige englische Premierminister Johnson bietet dafür gute Beispiele. Vielerlei Aspekte also, die einen wahrlich unterhaltsamen Abend versprechen. Es ist nicht nur ein unerwartet herabfallendes englisches Fenster, das darüber hinaus für reichlich Turbulenzen sorgen wird. Britischer Humor at its best, sozusagen garantiert.