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Beitrag zum Vorort zu Homo Faber

Eine spannende Stunde war das VorOrt zu „HOMO FABER“ am 27.09 im Schauspielhaus. Das komplette Ensemble mit Yvonne Ruprecht (Hanna), Eva Kewer (Sabeth) und Marko Gebbert in der Hauptrolle als Walter Faber sowie Regisseur Johannes Ender, der den 1957 erschienenen Roman für das Theater bearbeitet hat und erstmals in Kiel inszeniert.

Mögen die mehr als 50 Figuren des Romans auch als Kinder ihrer Zeit erscheinen, so will die Inszenierung von heute auf die Figuren blicken und dabei eine eigenartige Familienaufstellung in den Mittelpunkt stellen, das an die griechische Mythologie anknüpfende Familiendreigestirn von Vater-Mutter-Kind: Walter zwischen zwei Frauenfiguren, die übrigens auch alle andern - teilweise skurrile und komischen - Rollen übernehmen. Dabei findet ausschließlich Romantext Verwendung.

Der parabelhafte Charakter der Geschichte wächst aus dem Haufen der Erinnerungen, die das unaufgeräumte Leben des Technokraten Walters kennzeichnen und das er in den Griff zu bekommen trachtet. Die Figur des Walters sei zu ihm gekommen, berichtete der Schauspieler Gebbert und er wolle nun zeigen, was hinter der Fassade des Namensgebers des Romans liege, der durchaus autobiographische Züge seines Autors Max Frisch habe.

Atemlose Stille liegt über dem Auditorium als Marko Gebbert zusammen mit seinen KollegInnen aus den Roman - geschickt ausgesucht - rezitiert und dabei nur durch Sprache und Präsenz verzaubert. Zweifellos ein Vorteil in diesen Zeiten, da die Darsteller sich der großen Bühne bewusst sind, auf der das VorOrt von Kerstin Daiber bestens vorbereitet und einfühlsam moderiert, derzeit stattfindet.

Die wahrlich unwahrscheinlichen Zufälle der Geschichte führen auch zu der Frage, ob alles, was wir erleben, etwa nur Zufall sei. Daher Spannung und Neugier auf einen sicher thematisch anregenden und darstellerisch ungewöhnlichen Theaterabend. Im Schauspiel zu sehen ab 10.Oktober 2020.