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Operncafe Sunset Boulevard


„Kein Star wird jemals größer sein“

Norma Desmond hätte sich so sehr gefreut: Endlich wieder eine ausverkaufte Vorstellung und ein begeistertes Publikum, das herzlich applaudiert!

Aus Niedernhausen stammt Operndramaturgin Eva Bunzel. Dort fand 1995 die Deutschlandpremiere von „SUNSET BOULEVARD“ statt.

Gewohnt profund vorbereitet und persönlich charmant führt sie durch ein herzerwärmendes Operncafé: Nun - nach 25 Jahren(!!) - kommt endlich die fragile Beziehung zwischen der alternden, sehr wohlhabenden Stummfilmdiva Norma Desmond und dem arbeitslosen jungen Drehbuchautor Joe Gilles ins Kieler Opernhaus (Premiere am 22.Januar 2022). Er soll ihr mit einem neuen Drehbuch zu einem Comeback verhelfen und lässt sich dabei von dem einstigen Star aushalten. Schon dies allein war 1950 - neben der Kritik an Hollywood - als der gleichnamige Film (deutscher Titel: Boulevard der Dämmerung“) von Billy Wilder erschien - ein Skandal. Ein Anknüpfungspunkt für Regisseurin Adriana Altaras. „Wenn hochbetagte Männer sehr junge Frauen haben, macht es die Männer angeblich jünger, bei der umgekehrten Konstellation wird das auch heute noch nicht so entspannt gesehen“, so erzählt sie gut gelaunt. Ein zeitloses Thema ist auch die Frage des „Abschiednehmen“ von bestimmten Lebensphasen. „Norma will nicht wahrhaben, dass ihre Zeit als Filmstar vorbei ist.“ Aber auch die Situation des arbeitslosen und armen Künstlers, der mit Hilfsjobs sein Dasein fristet, ist gerade heutzutage ein wichtiger Ansatzpunkt dem Musical einen Gegenwartsbezug zu geben. „Natürlich lassen wir die Geschichte in den fünfziger Jahren, denn nur dort funktioniert die Handlung“, so Yashi, die für rund 300 Kostüme - darunter prachtvolle Roben für die Diva - und für ein wandlungsfähiges Bühnenbild zuständig ist. Da auch 55 kleinere Rollen zu besetzen sind, hat sie eine Riesenaufgabe mit vielen rasanten Umzügen und Verwandlungen übernommen.

Zwischen Rock, Swing, Bigband, opernhafter Filmmusik und Leitmotiven changiert die abwechslungsreiche Musik von Andrew Lloyd Webber beschreibt der musikalische Leiter Sergi Roca Bru, die mit raffinierten Taktwechseln aufwartende anspruchsvolle Komposition. Michael Müller-Kasztelan gestaltet den Titelsong wunderbar textverständlich natürlich mit einschmeichelnder Stimme. Ks. Jörg Sabrowski (als geheimnisvoller Diener Max) verwandelt den Raum mit seinem melancholischen Rückblick „Kein Star wird jemals größer sein“.

Wenn dann - zum krönenden Abschluss - des Operncafé die glockenhell singende Léonie Thoms Salfeld (Betty) mit Joe (Michael Müller-Kasztelan) das betörend gefühlvolle und wunderschöne Liebes Duett „Viel zu sehr “ präsentieren, ist das Publikum tief ergriffen ... (für Norma Desmonds Liebe zu Joe Gilles offenbar wohl ein Problem (!)..)… und bedankt sich für ein wahrhaft Interesse weckendes Operncafé. Wir freuen uns darauf.

Leider hatte Ks. Heike Wittlieb einen Unfall. Wir wünschen Ihr gute Besserung und drücken Katja Reichert (Rollendebut als Norma) die Daumen.