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Operncafe Die Jüdin


Operncafé zu „Die Jüdin“ am 20.02. im Foyer des Kieler Opernhauses

Die Gesellschaft der Freunde des Theaters in Kiel veranstaltet zusammen mit dem Theater Kiel die Einführungsveranstaltungen vor den Premieren.

Die junge, hochbegabte und vielbeschäftigte Luise Kautz inszeniert im Kieler Opernhaus „Die Jüdin“ von Fromental Halévy. Sie empfand, so schildert Luise Kautz beim gut besuchten Operncafé, das große Rachedrama zunächst als eher hölzern.

Je weiter allerdings die Handlung, die 1414 in Konstanz angesiedelt ist, voranschreitet, umso intensiver und unter die Haut gehend, berührend wird das Geschehen (Libretto: Eugène Labiche). Spannend und fordernd ist es für die Regisseurin (zuletzt bestechend „Die tote Stadt“, 2019), mit den großen Tableaus der Grand Opéra umzugehen - bei der Uraufführung (1835) in Paris waren 20 Pferde und hunderte Komparsen auf der Bühne. Der gemeinsam mordende Mob steht für sie im Mittelpunkt der Handlung und damit durchaus in Beziehung zum heutigen Populismus der sogenannten „Querdenker“ und dem Mob, der das Kapitol in Washington und den Reichstag in Berlin stürmen wollte. Das Szenenfoto auf der Homepage www.theater-kiel.de deutet an, dass die Inszenierung nicht im fiktiven Spätmittelalter, wie im Bühnenbildmodell zu sehen ist, verharren wird. Chefdramaturg Ulrich Frey beschrieb ausführlich die Wirkgeschichte der Oper, die geschichtlichen Bezüge des Enthüllungsdramas: die Hussitenkriege, das Konzil von Konstanz und die Handlung der fünf Akte, gewohnt brillant formuliert.

Erst wenn die Titelheldin Rachel (Angélique Boudeville) im kochenden Wasser zu Tode kommt, lüftet der vermeintliche Vater Éléazar (Anton Rositskiy) das Geheimnis, dass sie gar keine Jüdin ist. Dass er sie vielmehr einst aus einem brennenden Haus gerettet hat und sie die Tochter seines Todfeindes ist, der vorher die Söhne Éléazars töten ließ. Rachel hatte sich zuvor in den verheirateten Reichsfürst Léopold verliebt, der wiederum vorgibt Jude zu sein.

Seit sechs Jahren ist der 1. Kapellmeister Daniel Carlberg der Experte für die Grand Opéra in Kiel. Er schilderte an markanten musikalischen Beispielen (am Flügel Sunyeo Kim) die vielfältige kompositorische Vielfalt und Raffinesse der Komposition Halévys und dessen Verdienste an der musikalischen Entwicklung, deren sich auch Richard Wagner „gerne bedient“ hat.

Die nüchterne Atmosphäre des Foyers änderte sich spürbar durch die beiden musikalischen Ausschnitte der Protagonisten Angélique Boudeville (erstmals in Kiel) und Anton Rositskiy.

Das Theater Kiel bindet „Die Jüdin“ auch in das Projekt „322 - 2022: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ein. Das Operncafé machte gespannt auf diese vor achtzig Jahren zuletzt in Kiel gespielte Oper und ihre Interpretation.

Premiere am 12.3.2022 um 19.30 Uhr im Kieler Opernhaus.